1982 - 1984 war die große Zeit von Paul Young - mitten in der New Romantic Welle, obwohl er doch eigentlich viel lieber als Soul-Sänger gesehen werden wollte. Dieses Image pflegte er dann auch in den 1990er Jahren mit einigen sehr guten Alben - die meist jugendlichen Fans seiner Anfangszeit waren ihm aber längst untreu geworden. 2006 also nun ein Neuzugang - diesmal mit Swing-Nummern, spätestens seit
Robbie Williams 2001er Album "Swing, When You're Singing" ja ein probates Mittel, um sich zu profilieren. Und man sollte dabei auch nie vergessen, dass Paul Youngs Erfolgshits wie "Love Of The Common People" oder "Wherever I Lay My Hat" auch fast allesamt Cover-Versionen waren…
In punkto Konzept und Song-Auswahl ähnelt das ganze dem "Rock Swings" Album von
Paul Anka: Young versucht teilweise Rock- und Ppp-Songs zum swingen zu bringen, von denen man das nie erwartet hätte. Gleich der Opener, "Tainted Love", eine 1960er Jahre Nummer, die "
Soft Cell" Anfang der 1980er zur absoluten New Wave-Hymne machten. Etwas konventioneller da schon der Versuch mit
Elton Johns "Bennie And The Jets". "
Metallica"s "Enter Sandman" ist dafür überhaupt nicht wieder zu erkennen - dafür umso witziger...
Allerdings lässt die Originalität im weiteren Verlauf des Albums deutlich nach: Der "
Travis"-Ballade "Why Does It Alway Rain On Me" vermag eine Swing-Variante nun wirklich nicht viel Neues zu geben,
Eric Carmens
"Dirty Dancing"-Hymne "Hungry Eyes" wirkt eher uninspiriert und spätestens bei der Einzwängung von
Elvis Presleys "In The Ghetto" in ein Zwingkonzept fragt man sich "und warum das nun..."...
Sicher kein schlechtes Album, besonders der transparent produzierte Big Band-Sound überzeugt, Paul Youngs Stimme passt auch zu dem ganzen - allerdings hat man auf die Dauer den Eindruck, dem ganzen gehe bereits die Luft aus. Das ver-swingen von Rock Nummern scheint übrigens eine deutsche Domäne zu werden: Während Alex Christensen als Produzent bei den Alben von Paul Anka und
Michael Bolton (
"Bolton Swings Sinatra" hinter den Reglern saß, übernahm diesmal Ex-"
Pur"-Produzent
Dieter Falk den Produzentenstuhl. Und der ist ja nun unbestritten ein Vollblutmusiker...