Vier Jahre sind vergangen, seitdem Herbert Grönemeyer mit "Mensch" vom Superstar zum Mega-Star aufstieg. Das sehr persönliche Werk bescherte ihm mit dem Titelsong "Mensch" auch seine erste Nr. 1-Single - entsprechend hoch waren die Erwartungen für "12", dessen Titel Grönemeyer einfach damit erklärt, dass es sein zwölftes Album ist, zwölf Lieder enthält und er an einem zwölften Geburtstag hat.
Schon mit der Vorabsingle "Lied 1 - Stück vom Himmel", der ihm seine dritte Nr. 1-Single einbrachte, konnte er überzeugen: Textlich stark, melodisch einprägsam und opulent instrumentiert. Der Song ist dann auch – wie der ungewöhnliche Name schon andeutet - gleich der Opener des Albums. "Lied 2 - Kopf hoch, Tanzen" erscheint dann wie ein Gegensatz: Eingeleitet von tanzbaren Beats, wird das ganze zur synthie-lastigen Rocknummer. Mit "Lide 5 - Flüsternde Zeit" liefert er einen weiteren Ohrwurm, textlich eine Abrechnung mit der Großen Koalition vor dem Hintergrund der Euphorie während der Fußball-WM 2006 - und spätestens da fällt dem Zuhörer auf, dass es sich ein Grönemeyer leisten kann, seinen WM-Single-Hit "Zeit, dass sich was dreht" gar nicht mit aufs Album zu nehmen - er hätte wohl schwer ins Konzept gepasst.
Gegen Ende des Albums überwiegen dann die Balladen - ein richtiger Rocker war Grönemeyer ja noch nie. Aber wenn man auch dabei auf den Text achtet, was man bei Grönemeyer ohnehin instinktiv tut, zumal er ja inzwischen versucht, auch deutlicher zu singen, bemerkt man, dass es inhaltlich teils alles andere als Liebeslieder sind. "Lied 8 - Ohne dich" oder "Lied 11 - Zur Nacht" sind eher bittere Abrechnungen mit Verflossenen, bei denen man nur hoffen kann, dass es mehr literarische Fantasien denn autobiografische Erfahrungen sind.