"Jeder hat seine fünf Minuten Ruhm", wusste schon Andy Warhol. Daniel Küblböck hatte "seine" fünf Minuten Anfang 2003 als Kandidat der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Er schaffte es zwar nicht ins Finale, hatte aber mit seinen ersten beiden Singles "You Drive My Crazy" (Platz 1) und "Heartbeat" (Platz 2) einen Super-Start - dann trennte er sich von seinem Produzenten und Mentor Dieter Bohlen, der Erfolg ließ nach und die Plattenfirma deutete ihm an, dass man an einer weiteren Zusammenarbeit nicht interessiert sei. Und auch der Film
"Daniel, der Zauberer brachte ihm mehr Spott als Erfolg ein.
Jack White nahm ihn dann für sein Label unter Vertrag - wohl nicht ganz zufällig, dass "Superstar"-Juror Thomas M. Stein dort in führender Position tätig ist und gab ihm die Chance, sein zweites Album zu produzieren. Diesmal sang er auf Deustch und diesmal schrieb Küblböck an allen Songs mit - na ja, an fast allen, denn als erste Single-Auskopplung setzte man auf ein Remake des
Rio Reiser-Songs "König von Deutschland". Das gab auch direkt Ärger, weil Küblböck eigenmächtig den Text vor der Aufnahme modifiziert hatte und dies nach deutschem Urheberrecht zustimmungspflichtig ist. Reisers Erben gaben ihm zu verstehen, dass sie an einer Cover-Version nicht interessiert sind und daher keinerlei Textänderungen gestatten würden - die Veröffentlichung der Single musste verschoben werden und Küblböck den Reiser'schen Originaltext 1:1 nachsingen - inklusiver der Zeile "Ich bin Rio der Erste..."
Das Erschreckende: Küblböcks Version erreichte Platz 29 der deutschen Single-Charts und war damit erfolgreicher als das Original, dass nie in den Charts auftauchte. Und vielleicht noch erschreckender: Es ist am Anfang des Albums noch die einprägsamste und strukturierteste Nummer. Der Rest zielt textlich mit Songs wie "Supernova" oder "Aliens" schon in eine Richtung, die noch abgedrehter wirkt als Küblböcks Image. Und wenn er denn Textzeilen singt wie "Ich wünsch mich zum Mond" mag so mancher denken "Guten Flug". Oder wenn er auf "Roboter" singt "Ich wünsch mir einen Roboter, der mir zuhört" mag man ihm für seine Musik ganz ganz viele kleine Roboterlein gönnen...
Hinzu kommt, dass Küblböcks Stimme auf nahezu keinem Song natürlich klingt: Da sind Hall und Verzerrer am Werk, die ihn wohl "erwachsener" klingen lassen sollen - genützt hat es letztendlich nichts. Die Produktion besorgte übrigens ein "Technokrat" der ersten Stunde: Klaus Munzert, der die Songs auch zusammen mit Küblböck schrieb, startete 1987 auch eine Karriere als "Interpret" unter dem Projektnamen "
Silicon Dream" und hatte 1994 als "
K 2" mit "Der Berg ruft" immerhin noch einmal einen Platz 3 in den deutschen Single-Charts...