Es ist schon auffällig, wie oft die Songs von
Bob Dylan von anderen gecovert werden. Das mag vorwiegend daran liegen, dass der Meister des Songwritings selbst nicht unbedingt eine begnadete Stimme hat. Nun reicht sich auch Ex-"
Roxy Music"-Sänger Bryan Ferry mit seinem ersten Album seit fünf Jahren in den Chor der Dylan-Fans ein. Auch Ferrys Stimme ist sicherlich gewöhnungsbedürftig und manchmal so nasal wie die Bob Dylans. Aber offensichtlich wollte er einem seiner Vorbilder seine Referenz erweisen...
Das ist auch durchaus gelungen und macht Spaß zu hören - sicherheitshalber beschreibt im Booklet ein nicht näher genannt werdender "Kritiker", was er an den einzelnen Songs gut und richtig macht; zusammen mit ein paar statistischen Angaben, von welchen Dylan-Alben die einzelnen Tracks stammen. Dabei fällt dann auf, dass er sich vorwiegend am Frühwerk des Meisters vergriffen hat. Die Klassiker wie "Knockin' On Heaven's Door", "If Not For You" oder "The Times They Are A-ChanginÄ'" sind denn auch alle dabei, auf die Lagerfeuer-Hymne "Blowin' In The Wind" hat er sicherheitshalber verzichtet.
Die "Leistung" Ferrys ist es dann, diese Klassiker in einem modernisierten Sound-Gewand "heutiger" klingen zu lassen - das gelingt. Ferry kleidet sie in seine Arrangements, leiht ihnen seine Stimme - Mission erfüllt. Die Arrangements sind immer akkustisch geprägt mit unvermeidlich-einschmeichelnden Synthesizern (obwohl sein Weggefährte Brian Eno nur auf "If Not For You" mitspielte) - Highlights sind sicher gleich die ersten beiden Tracks "Just Like Tom Thumb's Blues" und "Simple Twist Of Fate", die den Zuhörer mitten rein in die Dylan-Ferryesque Welt führen.
Und einmal darf er auch ein bisschen schummeln: Der Song "Baby Let Me Follow You Down" stammt zwar von Bob Dylans Debüt-Album, wurde aber nicht von ihm selbst geschrieben, sondern ist bereits ein Traditional. Aber durch die Nuschelinterpretation des großen Bobs dann auch "Dylanesque"...