Eins kann man Bob Dylan nun wirklich nicht "vorwerfen" - dass seine Songs modern und trend-orientiert sind. Und auch wenn sein inzwischen 32. (so hat es zumindest die Plattenfirma, der er ja vom Anfang seiner Karriere an treu ist, gezählt) Studio-Album "Modern Times" heißt, gibt es da den guten alten Dylan. Da wird nasal zur Klampfe genuschelt bis zur Unverständlichkeit.
Musikalisch bewegt sich das ganze wie schon auf den letzten Alben zwischen einem Sound, der direkt aus den Sümpfen New Orleans kommen könnte und Rockabilly, gerade auf den ersten beiden Songs des Albums, "Thunder On The Mountain" und "Spirit On The Water" ist das deutlich zu "fühlen. Ohrwümer a la "Blowin' In The Wind" sind diesmal nicht dabei, Dylan legt mehr Wert auf das Erzählen von Geschichten – da ist es dann auch egal, ob der Song zwei, drei oder vier Minuten dauert – Rekordhalter ist der Schluss-Track "Ain't Talkin'" mit satten 8:48 Minuten.
Die Qualität der Dylan'schen Songs zeigte sich in der Vergangenheit meist erst an den Cover-Versionen – hierfür erscheinen auf dem aktuellen Album "Workingman's Blues # 2" und "When The Deal Goes Down" prädestiniert. Gerade bei letzterem kommt das ganze nicht von ungefähr: Für einige Songs des Albums bediente sich Dylan (obwohl er sich überall als alleiniger Komponist und Textdichter angibt) Zitaten aus anderen Songs – in diesem Falle war es "When The Blue Of The Night Meets The Gold Of The Day", ein Song, den
Bing Crosby einst zum Hit machte. So dreist darf wohl ungestraft auch nur ein Bob Dylan abkupfern…
Übrigens: Produziert hat Bob Dylan wieder selbst unter dem inzwischen schon zur Gewohnheit gewordenen Pseudonym "Jack Frost".