Anfang der 1980e Jahre lernten wir sie als Sängerin der "
Go-Go's" kennen, 1986 machte sie ihr erstes Solo-Album, hatte mit "Mad About You" auch einen veritablen Single-Hit (zumindest in den USA – Platz 3), wechselte dann Plattenfirma und Produzententeam und landete Ende 1987 mit "Heaven Is A Place On Earth" dann einen Welthit, dem sich niemand mehr entziehen konnte. Nachdem aber die Nachfolgealben nicht mehr so gut liefen, legte sie 1996 ihre bislang letzte Solo-Produktion vor (von einem 1999er "Greatest Hits" mit drei neuen Songs einmal abgesehen), versuchte es mit einer "Go-Go's"-Reunion ... und überrascht nun mit ihrem ersten Solo-Album nach 11 Jahren.
Überraschend ist vor allem, dass sie dies mit einem ungewöhnlichen Team tut: Produzent John Reynolds arbeitete schon mit
Sinead O'Connor – und war auch mit ihr verheiratet - und Keyboarder Brian Eno wurde mit "
Roxy Music" und seiner Zusammenarbeit mit
David Bowie schon zur Legende. Überraschend auch, dass sie französische Songs singt; und zwar auch
in französisch (was von der Aussprache her bei US-Amerikanern mehr als gewöhnungsbedürftig ist, obwohl sie sich laut Booklet extra einen "French Language Tutor" und einen "French Vocal Coach" gönnte.). Zur "Sicherheit" liegt der Erstauflage der CD noch eine Bonus-CD mit vier der Tracks in englischer Sprache bei.
Bei der Repertoireauswahl setzt sie vorwiegend auf Klassiker: "La vie en rose" machte
Edith Piaf zum Klassiker, "Bonnie et Clyde" ist eine spät 1960er Nummer von
Serge Gainsbourg, aus der Phase, als er privat und musikalisch mit
Brigitte Bardot verbandelt war und "Ne me quitte pas" ist eine der bekanntesten Nummern von
Jacques Brel, die als "If You Go Away" auch im englischen Sprachraum bekannt ist. Und wie "die Amerikaner und Briten" dann so sind, unterlief ihnen auch ein "Lapsus" - nicht alles was französisch klingt
ist auch französisch und so schmettert sie gegen Ende der CD
Udo Jürgens' 1966er Grand Prix Sieger "Merci Cherie" "en francais".
Belinda Carlisles Ziel war es "nachdem sie die Liebe zur französischen Musik entdeckt hat, diese Songs in zeitgemäßen Arrangements aufzunehmen". Dieses Ziel hat sie ansatzweise erreicht. Die Arrangements wirken zwar etwas "80er Jahre Synthie-überlastet"- aber was erwartet man von Brian Eno...? Leider geht dadurch allerdings der Charme der Originale so ziemlich völlig verloren - zurück bleibt vor allem das schöne Gefühl, endlich mal wieder etwas von Belinda Carlisle (deren Stimme deutlich tiefer, wohl auch etwas brüchiger geworden ist) gehört zu haben...