Bekannt wie der sprichwörtliche, Titel gebende "Bunte Hund" ist Reinhard Mey nun wirklich - auch wenn er den Begriff im gleichnamigen Song anders verstanden wissen will: "Ich schnüffel' ungeniert in allen Winkeln, ich bin ein Hund zum auf den Roten Teppich pinkeln" heißt es da und zeigt das Selbstverständnis des Liedermachers Reinhard Mey, der auch mit 64 Jahren und auf seinem nunmehr 24. Studio-Album keinen Deut leiser geworden ist; und damit dann auch zum ersten Mal nach 35 Jahren wieder den ersten Platz der deutschen Album Charts erntet - mit leisen Tönen...
Aber genau das ist es, was Mey ausmacht: Er braucht keine opulente Instrumentierung, meist reicht seine Gitarre, vielleicht noch ein Bass - um so mehr achtet man auf seine Texte. Und die sind auf "Bunter Hund" wieder "bunt gemischt". Sentimentale und doch originelle Lieder wie "Danke, liebe gute Fee" oder das zum Mitweinen schöne "Drei Kisten Kindheit" mischen sich da mit humorvollen Stücken wie "Ich bin verliebt in meine Sekretärin" oder "Ich brauche einen Sommelier", wirklich witzig verpackte Gesellschaftskritik in "Friedrichstraße" mit erzählten Geschichten wie "Wotan und Wolf" oder "Der Fischer und sein Boss" oder nachdenklichen Friedensliedern wie "Kai".
Bemerkenswert auch, wer denn mal "gerade so" für einen Gastauftritt im Studio vorbeischneit: Liedermacher-Kollege
Klaus Hoffmann gibt uns den Hund (!) in "Wotan und Wolf" und Fußballer Jan Schlaudraff singt mal eben so im Chor von "Drei Jahre und ein Tag". Wenn man sich "Bunter Hund" anhört und sich bewusst macht, dass Reinhard Mey schon 64 ist, wünscht man sich, dass bei manchen Leuten die "Rente mit 67" noch weit, weit nach hinten verschoben wird...