Am besten passt zu diesem Album eine Aussage des Kollegen Jürgen Jürgens vom "SFB": "Musik, für Leute, die eigentlich gar keine Musik mögen" - und das ist nicht einmal zwingend negativ gemeint. Norah Jones liefert auf ihrem dritten Album "Not Too Late" einfach Musik, die nicht stört - Musik, die man zur Untermalung nebenbei hören kann, die aber doch Wärme ausstrahlt; aber Musik, die man sich auch ganz bewusst bei einem Glas Rotwein anhören kann.
Auffällig ist direkt, dass Norah Jones diesmal nicht vorwiegend Standards vertraut, sondern alle Songs des Albums selbst geschrieben oder mitgeschrieben hat - meistens zusammen mit ihrem Bassisten und Produzenten Lee Alexander. "Geübt" haben die beiden bereits im vergangenen Jahr auf dem Album ihres Zweitprojekts "Little Willies". Auffällig ist aber auch, dass die Songs weniger jazz-orientierter sind, weniger blues-lastig - mehr Kuschel-Pop.
Bewusst gehört entwickelt dann aber doch jede Nummer ihren eigenen Charme. Angefangen vom atmosphärischen Opener "Wish I Could" und dem verspielten "Sinkin' Soon", wo vor allem das Posaunen-Solo auffällt, reihen sich die Songs nahtlos aneinander. Wer aber glaubt, er bekomme nun "seichte Kost" serviert, sollte sich einmal mit dem Text von "My Dear Country" auseinandersetzen - eine schonungslosere Abrechnung mit George W. Bush und seiner Wiederwahl am 2. November 2004 hat es in der Pop-Musik nicht gegeben. Und das von einer Sängerin, die - wenn man den Textzeilen glauben kann - überzeugte Republikanerin ist. In Norah Jones scheint noch mehr zu stecken - beim nächsten Album sicher auch musikalisch...