Obwohl das Stück nun schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, zählt "Evita" für mich immer noch zum eindrucksvollsten, was Andrew Lloyd Webber auf die Musiktheaterbühne gestellt hat, wer mehr zur Geschichte wissen will, kann dies hier auf der
Seite zum Film "Evita" tun. Konzentrieren wir uns also auf die hier vorliegende Neueinspielung der Bremer Inszenierung von 2005.
Die Vorzeichen sind großartig: Die deutschen Texte von Dr. Michael Kunze sind unschlagbar, Ethan Freeman brillierte schon als "Phantom der Oper" und in der Welt-Uraufführung von "Elisabeth", dem Sylvester Levay/Michael Kunze-Musical, das dramaturgisch sehr nah an "Evita" angelehnt ist - hier spielt er die Rolle des "Che". Allerdings fällt schon bald auf: Ohne den Biss, den z.B. Alexander Goebel in der deutschen Erstaufnahme von 1981 zeigt. Das liegt aber an der gesamten Anlage des Stücks: "Evita" war ursprünglich als Rock-Oper konzipiert, wird aber heute weltweit - auch begünstigt durch den Film mit
Madonna und Antonio Banderas - vorwiegend in einer weichgespülteren "Latino Flavour" Fassung gespielt.
Was für traditionell schwülstigere Nummern wie "Diese Nacht ist so sternenklar" oder dem "Walzer für Eva und Che" noch passt und auch bei "Wein nicht um mich, Argentinien" nicht stört, sorgt aber zum Beispiel beim Opener "Oh, welch ein Zirkus" dafür, dass Che nicht die scharfen Konturen bekommt, den Webber/Rice ihm eigentlich zugedacht hatten. Das setzt sich in der Besetzung von Anna-Maria Kaufmann als Evita nahtlos fort - die gelernte Sopranistin legt ihre Eva Peron mehr als Operetten-Diva, denn als einfaches Bauernmädchen auf dem Weg zum Erfolg an.
Das eigentlich Positive an dieser deutschsprachigen Aufnahme, ist, dass viele Titel darauf zu finden sind, die auf der Wiener Aufführung von 1981 (aus Platzgründen) fehlten - und auch der neue Titel "Schau in mein Herz" ("You Must Love Me"), den Webber/Rice 1996 eigens schrieben, damit sie sich mit einem neuen Song einen
"OSCAR" als bester Filmsong abholen konnten...