17 Singles brachte
Blümchen von 1996 bis 2001 in die deutschen Charts - da war es schon recht mutig, von heute auf morgen die "Blümnhen"-Karriere zu beenden, eh Jasmin Wagner zur richtigen Blume werden konnte. Aber vielleicht war es auch richtig und notwendig, um irgendwann einmal einen anderen Weg jenseits der ausgelatschten Kinder-Techno-Pfade zu gehen. Das aber dann auch mit aller Konsequenz, sprich, neuen Produzenten. Und auch damit hat sie sich Zeit gelassen: 2003 und 2004 gab es erste Singles unter ihrem eigenen Namen, ein von Peter Plate ("
Rosenstolz") produziertes Album soll 2004 veröffentlichungsfertig gewesen sein - und wurde von der Künstlerin letztendlich nicht freigegeben. Sie suchte sich mit
Michel van Dyke und
Bernd Begemann ein neues Produzententeam und startete wieder durch.
"Die Versuchung" präsentiert Jasmin schon auf dem Cover im Sixties-Style und man weiß, was man ungefähr zu erwarten hat: Sound im Post-Motown-Sound allerdings wie bei van Dyke üblich mit aktuellen Elektro-Akzenten, zuckersüße Melodien, die jedoch meist knapp am Dauer-Ohrwurm vorbeischrammen und in diesem Fall Texte, die Jasmin Wagner ein neues Image geben sollen - als "süße Versuchung" eben. Herausgekommen ist ein Album, das man mehrfach hören muss und hören sollte. Angefangen von der ersten Single-Auskopplung "Männer brauchen Liebe", die sofort ins Ohr geht, über unter die Haut gehende Balladen wie "Wahrscheinlich Hallo" bis hin zu Texten, die oberflächlich glatt poliert, inhaltlich aber doch etwas eindeutig-zweideutig sind wie "Ein schlechtes Gewissen". Man muss dem Album Zeit geben, sich im Ohr zu entfalten - Geduld, die Jasmins Plattenfirma offensichtlich nicht hatte.
Kurzerhand nahm sie die Rechte am Material zurück, gründete ein eigenes Label, fand einen neuen motivierten Vertrieb und veröffentlichte "Die Versuchung" Anfang 2007 in einer neuen Edition - mit neuem Cover, einem Bonus-Duett mit Michel van Dyke ("Wenn du mich nicht willst") und fünf Akkustik-Tracks von einer "AOL Live Session". Alleine die zeigen, dass das Song-Material wirklich Substanz hat. Aber wie gesagt: Man muss dem ganzen Zeit und Raum geben...